Holland: Gouda – das ist doch Käse, oder?

Gouda ist Käse – das weiß doch jedes Kind. Aber das ist es eben nicht nur. Hinter diesem Namen verbirgt sich nämlich auch ein idyllisches Städtchen in Holland und das ist nicht nur wegen seiner schmackhaften Milchprodukte unbedingt einen Besuch wert...

Gouda – das ist doch Käse, oder? Richtig. Und zwar genau der, bei dem sich manch einer wünscht, dass das bei der Partnersuche auch so simpel wäre – einfach wählen zwischen jung, mittelalt und alt. Und egal, wie man sich entscheidet: Letztlich wird das Ganze gut verpackt und richtig gelagert eh nur besser.

Dabei glänzt nicht nur der holländische Brotbelag durch unschlagbare Vorzüge. Auch die gleichnamige Stadt im Westen der Niederlande hält für Jung, Mittelalt und Alt so einiges bereit. Denn die etwas unbekanntere Namensgeberin des Käse-Bestsellers ist eine Art Mini-Amsterdam. Zumindest für diejenigen, die bereit sind, auf halbnackte Frauen hinter Fensterglas und Coffeeshops an jeder zweiten Ecke zu verzichten. Nicht verzichten muss man in Gouda hingegen auf enge Gassen, historische Gebäude, zauberhafte Antik-Geschäfte, Grachten und Hollandräder soweit das Auge reicht. Und das macht doch letztlich diesen holländischen Charme aus, auf den wir Deutschen so stehen.

Übrigens sind auch die Niederländer selbst ziemlich stolz auf ihr Käse-Städtchen: Neben Rotterdam wurde Gouda gerade erst zur besten Binnenstadt des Landes gekürt. Mit gutem Grund. Denn es lohnt sich tatsächlich, übliche Holland-Destinationen wie Venlo, Renesse oder Roermond einfach mal links liegen zu lassen und stattdessen die rund 71.000 Einwohner zählende Stadt in der Provinz Südholland anzusteuern.

Sich durch die Käsesorten probieren

Schönster und zweifelsohne auffälligster Blickfang in Gouda – das Einheimische übrigens nicht mit "G", sondern einem röchelnden "Ch" aussprechen – ist das gotische Rathaus mit seinen roten Fensterläden inmitten des Marktplatzes. Ringsum tummeln sich zwischen April und August jeden Donnerstagvormittag unzählige Landwirte, die während des traditionellen Käsemarktes mit Händlern um die Preise für ihre kreisrunden Käselaiber feilschen.

Und sind wir schon beim Käsekauf angelangt, so sei allen Besuchern wärmstens der Laden "'t Kaaswinkeltje" am Lange Tiendeweg 30 in der Innenstadt empfohlen. Hier gibt es ausschließlich Bauernkäse, der noch nach guter alter Tradition hergestellt wird – in Käsereien rund um Gouda. Das Beste: Bevor Kunden das Portemonnaie zücken, dürfen sie sich nach Lust und Laune durch die verschiedensten Sorten von Lavendel in Knallblau bis hin zum klassischen Gouda in Goldgelb probieren.

Unter die kulinarischen Besonderheiten in Gouda fällt überigens nicht nur der weltbekannte Käse. Lange Zeit verfügte die Stadt auch über eine florierende Brauindustrie. Inzwischen gibt es abgesehen von der Stadsbrouwerij De Goudsche Leeuw zwar keine aktiven Brauereien mehr in der Stadt – Biere aus aller Welt finden Liebhaber des Gerstensafts in Gouda dennoch. Im "Slijterij Den Gouwen Aar" am Oosthaven 6 oder auch bei "Arnoldus Bieren" am Lange Tiendeweg 67 gibt es Hunderte Biere aus aller Herren Länder.

Holländische Eierkuchen und indische Spezialitäten

Wer weder mit Käse noch mit Bier etwas anfangen kann, muss natürlich trotzdem nicht hungern. Denn entgegen aller Vorurteile, dass die Niederländer abgesehen von Fritiertem keinerlei Esskultur besitzen, gibt es in Gouda Spezailitäten jenseits von Pommes und Frikandel. Eierkuchen zum Beispiel. Die isst man hier nicht etwa nur als Süßspeise, sondern vor allem herzhaft – mit Schinken, Käse, Gemüse und allerlei anderen Zutaten belegt.

Eine hervorragende Adresse, um genau das auszuprobieren, ist die "Pannenkoe" am Karnemelksloot 1. Der Name des Ladens bedeutet wörtlich übersetzt "Pfannenkuh" und bringt damit vor allem die Inneneinrichtung des kleinen Restaurants auf den Punkt: Kuhfleckenmuster auf Vorhängen, Kissen und Speisekarte plus Kuhfiguren in jeder Ecke – hier ist der Name Programm. Und noch viel wichtiger: Das Essen schmeckt. Wer nach seinem Eierkuchen noch Platz im Magen hat, sollte mit einer Portion zuckersüßer Poffertjes nachlegen.

Ebenfalls typisch Holländisch ist die international geprägte Küche. Aufgrund der Kolonialgeschichte des Landes ist vor allem der Einfluss Indonesiens groß. Leckeres indisches Essen gibt es in Gouda bei "New Tandoor" am Lange Tiendeweg 49. Empfehlenswert ist unter anderem das Chicken Korma – dazu am besten noch Cheese Nan (indisches Fladenbrot mit Käse gefüllt) und einen Mango-Lassi bestellen. Schmeckt prima – ist aber nicht ganz billig und auch die Zubereitung kann je nach Gästeaufkommen eine Weile dauern. Etwas Geduld sollten Gäste also mitbringen.

Stylische Cafés, Sehenswürdigkeiten und Nachtleben

Weitaus schneller kommen Bestellungen in der "Koffiefabriek" am Nieuwe Markt 64 auf den Tisch. Das stylische Cáfe ist vor allem für Frühstück, Kaffee und Kuchen eine beliebte Adresse bei Jung und Alt. Wer vorbestellt, kann hier im Übrigen ein besonders reichhaltiges Frühstück genießen: Für weniger als 20 Euro pro Person gibt es zwei Getränke nach Wahl (dazu zählen auch Spezial-Getränke wie zum Beispiel der Matcha Latte) und eine Etagere gefüllt mit Leckereien: Belegte Brötchen, Brownies, Kuchen und verschiedene Aufstriche für die dazu gereichten warmen Teilchen finden sich darauf. Die Portionen sind reichlich, so dass dieses Frühstück wirklich jeden satt bekommen sollte.

Wer derart gut gestärkt in den Tag startet, hat genug Energie, um sich den übrigen Sehenswürdigkeiten Goudas zu widmen. Also auf zur Sint Janskerk! Das Gotteshaus mitten in der historischen Altstadt sollte man nicht nur gesehen haben, weil es mit 123 Metern die angeblich längste Kreuzkirche der Niederlande ist, sondern vor allem wegen der farbenfrohen Glasfenster, die hier als "Goudse Glazen" bekannt sind. Ganz in der Nähe liegen auch das Waaghaus, Stadtmuseum und die Windmühle "Molen De Roode Leeuw".

Die Stadt zu Fuß zu erkunden, macht nicht nur wegen der kurzen Distanzen Sinn. Es bringt auch den Vorteil mit sich, dass man ganz automatisch durch die vielen idyllischen Gassen schlendert. Dort gibt es nicht nur unzählige niedliche Geschäfte, sondern oft auch freien Blick in die Wohnungen der Einheimischen. Schließlich halten Holländer nicht besonders viel von Gardinen und Jalousien – dafür aber umso mehr von großen Fenstern. Bei einbrechender Dämmerung – wenn die Lichter draußen aus- und drinnen angehen – wird man da ganz automatisch zum Spanner. Und man wird als Deutscher neidvoll eingestehen müssen, wie viel mehr Geschmack unsere Nachbarn in Sachen Einrichtung doch haben.

Aber natürlich sollte man die Nächte in Gouda nicht damit zubringen, die Wohnzimmer fremder Menschen auszuspähen. Und das muss man auch. Schließlich gibt es bessere Alternativen: So kann man den Abend im "Grand Cafe Central" am Markt 22 – bei schönem Wetter auch auf der Terrasse – bei einem Wein oder Bier ausklingen lassen. Wem nach Tanzen ist, der geht einfach eine Tür weiter und landet im "Swing", wo am Wochenende bis in die frühen Morgenstunden gefeiert wird. Und wem das immer noch nicht wild genug ist, der steigt einfach in den Zug: Innerhalb einer Stunde und für knapp 12 Euro kommt man damit nämlich vom Mini-Amsterdam ins große, echte Amsterdam.

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