"Helaaf" am Rhein: Wenn Kölner fremdgehen

Karneval in Düsseldorf feiern? Ein echter Kölner würde auf so eine Idee wohl niemals kommen. Zumindest nicht unter normalen Umständen. An diesem Sonntag jedoch war alles anders: Hunderte Domstädter fielen beim rheinischen Rivalen ein – um mitten in der Fastenzeit noch mal jeck zu sein.

"Mir kumme mit allemann vorbei" hatten die Kölner via Facebook angekündigt. Zu Tausenden wollten sie am Sonntag in Düsseldorf einfallen. Warum? Weil echte Kölner sich eine gute Party eben nicht entgehen lassen. Und wenn dafür dann auch noch die Karnevalskostüme aus dem Schrank geholt werden dürfen, spielt es schon fast keine Rolle mehr, dass die Sause beim rheinischen Rivalen steigt.

Welche Sause, fragt ihr euch? Also mal von vorne: Klar, eigentlich ist der Karneval seit Aschermittwoch vorbei. Zumindest in Köln. Denn hier war man einfach mal mutig und hat den Rosenmontagszug trotz Unwetterwarnung starten lassen. Belohnt wurde das Ganze mit viel Sonnenschein und guter Laune. Und natürlich dem Gefühl, dass man im Gegensatz zu den Düsseldorfern alles richtig gemacht hat. Die hatten ihren Zug nämlich abgeblasen. Als Trostpflaster gab's das Verpsrechen, dass der Zug nachgeholt werden soll. Die Karnevalisten hielten Wort und terminierten den zweiten Anlauf für den Rosenmontagszug auf den 13. März.

Den Düsseldorfern zeigen, wie man richtig feiert

Karneval, Kostüme, Alkohol? Das klingt in den Ohren vieler Kölner wie Musik. Dass auch die Düsseldorfer ganz gut feiern können, gibt man 40 Kilometer rheinabwärts natürlich nur ungern zu. Darum war die Begründung für die Stippvisite auch schnell gefunden: Eigentlich wolle man den Düsseldorfern ja nur zeigen, "wie Karneval richtig funktioniert", hieß es auf Facebook. Auch "Helau wollten viele nicht rufen, aber auf ein "Helaaf" – darauf konnte man sich am Sonntag wohl einigen.

Das Kölner Festkomitee fand die Aktion übrigens nicht so witzig und gab sich als Moralapostel in Sachen Nachbarschaftsbeziehungen: Man finde das Ganze "befremdlich, denn die Düsseldorfer Jecken feiern ebenso wie die Kölner seit Jahrhunderten Karneval (...). Häme ist darum nicht angesagt, schon gar nicht nicht im Fastelovend", ließen die Chef-Jecken in einem Statement wissen. Selber einen mit den rheinischen Nachbarn trinken und mitfeiern wollte man dann aber offenbar doch nicht: "Die Kölner Karnevalssession 2016 ist vorbei und Geschichte. Das letzte Alaaf ist verklungen, das Kölner Dreigestirn ist nicht mehr im Amt, Uniformen und Litewka gehören nun in den Schrank", stellte das Festkomitee klar. Vielen Kölnern war das aber natürlich egal – sie kramten ihre Kostüme wieder hervor, um die einmalige Chance zum Fremdgehen – und das ohne wirklichen Betrug – zu nutzen. Wie die Stimmung am Sonntag schließlich war, das könnt ihr in meinem Artikel auf Welt Online nachlesen. Hier schon mal ein paar Bilder:

Super Mario bringt Kamelle unters Volk.

Frau Merkel steht Kopf. Die Düsseldorfer Mottowagen zeigen sich wie gewohnt bissig und politisch.

Scharfes Motto, scharf geworfen.

Auch die Übergriffe in der Silvesternacht in Köln wurden in Düsseldorf aufgegriffen.

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