Südstadt: 485 Grad – Pizza wie in Neapel

Tradition trifft auf Innovation: Pizza nach neapolitanischem Originalrezept, aber mit ausgefallenen und hochwertigen Zutaten – das gibt es bei 485 Grad in Köln. Doch an der Pizzeria scheiden sich die Geister. Während manch einer schwört, dort die beste Pizza der Welt gegessen zu haben, beschweren sich andere über matschigen Boden, zu wenig Belag und viel zu hohe Preise.

485 Grad kann sich vor Lobeshymnen kaum retten: Der Gastro-Kritiker des Kölner Stadt-Anzeigers, Carsten Henn, bescheinigte der Pizzeria schon 2014 "Pizza einer neuen Dimension" und "großes Gaumenkino". 2015 gab es den fizz-Award für das Trendkonzept des Jahres und 2016 schließlich die Auszeichnung für die Weinkarte des Jahres vom Gault&Millau-Weinguide. So viel Lob schürt natürlich hohe Erwartungen. Und so überrascht es auch nicht, dass beispielsweise die Bewertungen auf Google zwischen "beste Pizza der Welt" und "Essen leider enttäuschend" schwanken. Fader Geschmack, roher und matschiger Teig, zu wenig Belag für viel zu viel Geld – all das bemängelt das kritische Publikum im Netz. Bei einer Pizzeria, an der sich derart die Geister scheiden, hilft natürlich nur eines: Hingehen und sich selbst eine Meinung bilden. Genau das habe ich gemeinsam mit ein paar Freunden getan – und zwar in der Südstadt-Filiale an der Bonner Straße 34.

​Die Basic-Infos

Der Teig: Bei 485 Grad gibt es die echte Verace Pizza Napoletana (VPN), deren Herstellungsweise bis ins Detail festgelegt ist. In den Teig kommen nur Hefe, Salz und Wasser – anschließend ruht das Ganze für 72 Stunden. Der Vorteil: Der neapolitanische Pizzateig entwickelt nicht nur ein malziges Brotaroma, sondern wird auch bekömmlicher.

Die Zutaten: 485 Grad greift nach eigenen Angaben auf saisonale Produkte aus der Region zurück und macht einen großen Bogen um industriell verarbeitete Lebensmittel. "Wir haben direkten Kontakt zu den Produzenten und Betrieben unserer hochwertigen Produkte", versichern die Betreiber. Auf den Einsatz von künstlichen Geschmacksverstärkern und Zusatzstoffen wird verzichtet.

Das Backen: Gebacken wird die neapolitanische Pizza bei 485° Celsius in einem Steinofen von Stefano Ferrara – und zwar nur 60 Sekunden. In der Gluthitze wirft der Teig Hitzeblasen – dabei darf der Rand, so erklärt es die Pizzeria, auch ruhig mal ein bisschen verbrannt sein.

Die Konsistenz: Die Pizza ist für manch einen gewöhnungsbedürftig. Weil sie nicht nur optisch, sondern auch in der Konsistenz etwas anders ist als die gewöhnliche Pizza. Und das soll laut 485 Grad auch so sein. Demnach ist die neapolitanische Pizza nicht so knackig und knusprig, sondern eher luftig-geschmeidig, etwa vier Millimeter dick und gut belegt. Zur Mitte hin wird sie dünner und feuchter, der Rand sollte wulstig durchgebacken sein.

Die Getränke: Die Weine auf der Karte wurden von Sebastian Georgi, dem ehemaligen Chefsommelier eines Sternerestaurants, ausgewählt. Wer Wert auf einen besonders dekadenten Pizza-Abend legt, kann zum Beispiel eine Flasche Weißwein für 3500 Euro bestellen. 485 Grad ist aber nicht nur für seine erlesene Weinkarte, sondern auch für das große Craft-Beer-Angebot bekannt. Zum Sortiment gehören zum Beispiel Just Pils, Prototyp Lager, Kerlig Hell, Pale Ale, Dolden Sud, "Trainings" Lager oder Drunken Sailor.

Der Geschmackstest

Pizza Rosa: Die vegetarische Pizza mit Aosta-Käse, roten Zwiebeln, Pistazien und Rosmarin-Basilikum-Sud kostet 11,50 Euro und schmeckt hervorragend. Die Zutaten sind toll abgestimmt. Kleiner Wunsch an die Küche: Wären die Pistazien etwas feiner gehackt, würden sie ihr Aroma noch ein bissschen besser entfalten.

Pizza Popeye Pie: Bei dieser Spinat-Pizza ist der Gruyère zweifelsohne der Clou. Der Schweizer Hartkäse sorgt gemeinsam mit Knoblauch und Pfeffer für eine wunderbare Würze. Der Rand ist fluffig und der Boden schön dünn. Diese Pizza ist ihre 9,50 Euro definitiv wert.

Pizza Speckwolf: Provolone-Käse, Mozzarella, Speck, frische Pilze und rote Zwiebeln vereinen sich für zehn Euro auf dem Speckwolf. Der Pizzarand ist weich und knusprig zugleich. Der Speck ist schön kross und beim Belag wurde nicht gegeizt. Statt Tomatensoße gibt es eine helle Basis. Etwas Pfiff fehlt dem Ganzen leider – ein paar Gewürze würden guttun. Insgesamt aber trotzdem sehr lecker.

Pizza Margherita: Der Klassiker sorgt in unserem Fall für wenig Begeisterung. Während der Rand recht dunkel geraten ist, fehlt das Durchgebackene in der Mitte komplett – dort ist der Teig nämlich noch völlig roh. Mit dem Mozzarella wurde nicht gerade großzügig umgegangen. Für acht Euro ist diese Pizza leider eine ziemliche Enttäuschung.

Pizza Choc: Diese Dessert-Pizza für fünf Euro kommt ganz unerwartet nicht als klassische Pizza mit Schoko-Bestrich, sondern als Pizzahörnchen mit Schokofüllung auf den Tisch. Ob es dunkle oder helle Schokolade sein soll, können Gäste selbst entscheiden. So oder so schmeckt das Ganze nussig-süß. Dass es nur kleine Hörnchen sind, stört spätestens beim dritten Bissen nicht mehr, denn allzu viel kann man von dieser Zuckerbombe ohnehin nicht verdrücken.

Getränke: Wie die meisten im Laden trinken auch wir Bier oder Alkoholfreies. Besonders lecker: die hausgemachte Limo namens "Ginger Bomb" und das Craft des Tages – das "Trainings" Lager.

Der Klassiker – für uns leider ein viel zu teurer Reinfall.

Popeye lässt die Muskeln spielen: Die Pizza mit Babyspinat finden wir superlecker (oben)! Wer es richtig süß mag, bestellt danach eine Choc-Pizza (unten).

Gesamteindruck

Dass ausgerechnet der Klassiker – die Pizza Margherita – komplett durchfällt, ist natürlich schade. Umso mehr waren wir jedoch von den übrigen Pizzen begeistert. Hier und da könnten zwar noch Kleinigkeiten verbessert werden – insgesamt fallen diese aber nicht wirklich ins Gewicht. Auch die im Netz oft geäußerte Kritik, dass mit den Zutaten gegeizt werde und das Ganze darum viel zu teuer sei, können wir zur überwiegenden Mehrheit nicht teilen. Dennoch gilt natürlich: Bei 485 Grad Pizza zu essen, ist kein Schnäppchen. Das muss es aber auch nicht sein – schließlich sind die Zutaten hochwertig. Nicht ganz passend zur hochwertigen Küche sind die unzähligen Küchenrollen, die über die Tische verteilt sind. Ein paar hübsche Serviettenständer würden weitaus mehr hermachen.

Ebenfalls besser geregelt werden könnte die Einweisung durch das Personal: Dass Pizzen und Getränke an der Theke bestellt und auch direkt dort bezahlt werden müssen, erfahren wir erst auf Nachfrage. Auch eine Weinkarte fehlt auf den Tischen. Kein Wunder also, dass die meisten sich einfach nur ein Getränk aus dem Kühlschrank krallen. Ein bisschen bedauerlich ist das natürlich schon – schließlich ist das 485 Grad ja gerade für seine erlesene Weinkarte so berühmt.

Adressen in Köln: Bonner Straße 34 oder Kyffhäuserstraße 44, Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 12 bis 22.30 Uhr, Freitag und Samstag 12 bis 23 Uhr, Sonntag 13 bis 22 Uhr.

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