UK: Lake District – wilde Naturschönheit

Weite Täler, kurvenreiche Bergpässe, unberührte Seen: Der Lake District im Norden Englands gehört nicht ohne Grund zu den beliebtesten britischen Urlaubsregionen. Ein Roadtrip durch eine Landschaft, die nicht nur die Kinderbuch-Autorin Beatrix Potter in ihren Bann zog.

Es gibt viele Gegenden, die von bekannten Autoren mit blumigen Worten bedacht wurden. Doch wenn es ein Ort schafft, gleich eine ganze Gruppe namenhafter Dichter zu inspirieren, so muss dieses Fleckchen Erde wohl etwas Magisches haben. Die Rede ist vom Lake District in Großbritannien. Weite Täler, endlose Wiesen und unzählige Seen werden hier umrahmt von grünen Berglandschaften. Im 19. Jahrhundert zog es Schriftsteller reihenweise in diese atemberaubend schöne Landschaft im Nordwesten Englands. Der berühmteste unter den sogenannten "Lake Poets" ist der britische Dichter William Wordsworth. „Den schönsten Fleck, den der Mensch je fand“ nannte er den Lake District.

Wie groß die Zahl der Bewunderer bis heute ist, zeigt sich im Juli und August. Dann scheint es fast so, als würde halb Großbritannien hier Urlaub machen. Und das ist nicht erst seit gestern so. Schon die Kinderbuchautorin Beatrix Potter verbrachte als kleines Mädchen regelmäßig ihre Sommerferien im Lake District – und war so angetan, dass sie später ihren Wohnsitz hierhin verlegte. Mit der Geschichte von "Peter Rabbit" ist die gebürtige Londonerin so berühmt geworden, dass das Leben der Engländerin sogar verfilmt wurde. Dabei ist der putzige Hase mit dem blauen Jäckchen längst nicht die einzige Figur, die "Miss Potter" durch ihre Geschichten und Illustrationen zum Leben erweckte: Man denke nur an die kugelrunde Igeldame "Mrs. Tiggy-Winkle" oder die Ente "Jemima Puddle-Duck".

Wer sich auf den Weg zur Hill Top Farm – dem ehemaligen Landgut der berühmten Autorin – macht, dem wird eines schnell bewusst: Nach Inspiration musste Beatrix Potter hier nicht lange suchen. Lämmer hüpfen wie kleine Wattebällchen über saftgrüne Wiesen, Entenfüße watscheln tapsig über das Kiesbett des Sees und Eichhörnchen huschen durch das Dickicht der Bäume. Es ist der Stoff, aus dem die zauberhafte Welt der Potter-Kinderbücher gemacht zu sein scheint.

Auf dem Weg zur Hill Top Farm: Vorbei an saftgrünen Wiesen geht es zum "Beatrix Potter Nature Walk", der zum ehemaligen Wohnsitz der Autorin führt.

Entlang der Strecke gibt es zahlreiche Erklärschilder, die zeigen, welche Tiere der Gegend Potter zu ihren Buchfiguren inspiriert haben.

Auf den Spuren längst verstorbener Schriftsteller wandeln – das geht nicht nur auf der Hill Top Farm von Beatrix Potter. Denn auch William Wordsworth schwärmte nicht nur vom Lake District, sondern er lebte auch hier – im „Dove Cottage“ in Grasmere. Inzwischen pilgern jedes Jahr unzählige Touristen in das kleine Örtchen, um die ehemalige Wirkungsstätte des großen Dichters von Innen zu bestaunen. Dabei hat Grasmere noch einen ganz anderen und weitaus schmackhafteren Schatz: das Grasmere Gingerbread.

Verkauft werden die berühmten Lebkuchen mit dem intensiven Ingwer-Aroma in einem geradezu winzigem Laden, dessen historisches Flair dafür sorgt, dass Besucher sich um Jahrhunderte zurück versetzt fühlen. Knapp sechs Pfund kostet eine mittelgroße Packung Gingerbread. Nicht gerade ein Schnäppchen. Die Touristen stehen trotzdem Schlange. Ein Gebäck, dessen Rezept so geheim ist, dass es angeblich in einem Banktresor lagert, will dann eben doch jeder probieren. Und wenn Köche wie Jamie Oliver dann auch noch behaupten, die Lebkuchen aus dem Lake District seien die besten der Welt, ist der Selbstversuch ohnehin irgendwie ein Muss.

In dieser Straße von Grasmere liegt sie: Die alte Wirkungsstätte von Wordsworths. Im Dove Cottage lebte er mit seiner Frau und Schwester.

In einem winzigen Lädchen verkaufen Frauen in historischer Kleidung das berühmte Grasmere Gingerbread. Auf dem Friedhof des Dorfes fand Wordsworth seine letzte Ruhe.

Wie magisch die Landschaft des Lake District ist, zeigt sich auch entlang der vielen Bergpässe: Schmale Straßen winden sich durch verlassene Täler, vorbei an grasbedeckten Bergkuppen, die sich je nach Jahreszeit mal in sattem Grün, mal in schillerndem Orange färben. Es ist eine Gegend, die wie verwunschen wirkt. Und man wundert sich schon ein wenig, warum dieser größte Nationalpark Englands ausgerechnet nach seinen vielen Seen benannt wurde. Schließlich hätten die Cumbrian Mountains mindestens genausoviel Aufmerksamkeit verdient. Ohnehin gebührt den Gebirgszügen das Recht der Älteren – schließlich waren sie schon hier, bevor die Eiszeit für die Entstehung zahlreicher Trogtäler sorgte, in denen heute die unzähligen Seen ihren Platz gefunden haben.

Einen fantastischen Blick über die Berge und Täler des Lake District bietet der höchste Punkt des Kirkstone Passes.

Die Bergpässe verlangen Autofahrern zum Teil einiges ab. Nicht ohne Grund heißt die Strecke zwischen dem Ambleside- und Kirkstone-Pass "The Struggle". Wer den "Kampf" mit den Höhenmetern meistert, wird am höchsten Punkt des Kirkstone-Passes jedoch mit einer Aussicht belohnt, die jedes noch so stressige Fahrmannöver vergessen macht.

Mehr als 1000 Gewässer soll es im Lake District geben – manche sind so klein, dass sie mehr Teich sind als See. Andere wiederum haben eine so gigantische Größe, dass man meint, aufs offene Meer zu blicken. Zu den Riesen unter den Lakes gehört zweifelsohne Windermere. Auf dem größten natürlichen See Englands tummeln sich Kreuzfahrtschiffe, Wassersportler und Angler. Nicht weniger schön ist der zweitgrößte See im Lake District: Ullswater. Auch hier sind die Möglichkeiten – von der Fahrt mit dem historischen Ausflugsdampfer bis hin zur Wanderung zum Aira-Force-Waterfall – riesig. Derwent Water hingegen ist wegen seines besonders schönen Panoramas bekannt – der See südlich der Kleinstadt Keswick ist von Hügeln umgeben, die Einheimische nur "the fells" nennen.

Am Ufer von Derwent Water gibt es einen wunderbaren Blick auf den See und Derwent Isle. Insgesamt vier Inseln liegen hier im Wasser – Derwent Isle ist die einzige, die angeblich bewohnt ist.

Auf halbem Weg am Westufer des Ullswater-Sees liegt der Wasserfall Aira Force (rechts).

Der Lake Windermere (links) ist beliebtes Ziel für Wassersportler, Boot-Besitzer, Angler und Kreuzfahrtschiffe.

Weit mehr als 1000 Seen soll es im Lake Distric geben – allerdings wurde da selbst der kleinste Teich mitgezählt.

Wer nicht nur den Lake District, sondern gleich zwei britische Nationalparks auf einen Schlag erkunden will, für den ist Richmond in North Yorkshire der ideale Ausgangspunkt für einen Roadtrip durch den Norden Englands. Das hübsche Marktstädtchen liegt nämlich direkt am Rand des Nationalparks Yorkshire Dales. Neben einem Spaziergang entlang der alten Ringmauer und einer Stippvisite auf Richmond Castle sollte man sich hier unbedingt ein leckeres Ale gönnen. Die Region ist nämlich bekannt für ihre zahlreichen Bierbrauereien. Auch Richmond hat seine eigene Mikrobrauerei – die "Richmond Brewing Company" hat ihren Sitz im alten Bahnhofsgebäude der Stadt.

Richmond ist ein zauberhaftes Städtchen im georgianischen Stil. Rund um den historischen Marktplatz finden sich zahlreiche lokale Geschäfte.

Von Richmond aus geht es entlang des Flusses Swale zum Buttertubs Pass durch die Yorkshire Dales. Die Route verläuft zwischen Thwaite und Simonstone und trägt ihren Namen nicht ohne Grund: Auf ihrem Weg zu den Märkten legten Bauern hier früher gerne eine Pause ein. Um die mitgeführte Butter vor Wärme zu schützen, lagerten sie die Fässer zwischenzeitig in die kühlen Spalten der Kalkfelsen. Heute ist die kurvenreiche Strecke vor allem bei passionierten Auto-, Motorrad- und Fahrradfahrern beliebt – wegen ihres großen Fahrvergnügens. 2014 war der Buttertub Pass sogar Bestandteil der Tour de France und der britische Moderator Jeremy Clarkson nannte die Route einmal "England's only truly spectacular road".

Der Buttertubs Pass liegt im Nationalpark Yorkshire Dales und verläuft zwischen Thwaite und Simonstone.

Weitere interessante Beiträge zum Lake District:

In der Nähe Leben: Im Herzen des Lake Districts

Smaracuja für KodakMoments: Große Landschaft und kleine Straßen: Road Trip im Lake District

Um die Ecke: Lake District: Seen-Sucht in Nordengland

Adventurous Kate: Scenes from England’s Lake District

GoLakes: 8 photos that will make you fall in love with Cumbria all over again

Outdoor Magazin: Lovely Lakes: Wandern im Lake District

Spiegel Online: Lake District – Nostalgie im Nieselregen

© 2023 by NOMAD ON THE ROAD. Proudly created with Wix.com