Lindenthal: Hinz & Kunz – Café für Jedermann

"Hinz & Kunz" – das sind in Köln vor allem Mario und Markus. Schließlich heißt ihr neues Café in Lindenthal so. Und weil die Jungs wollen, dass dort auch wirklich Hinz und Kunz auf den Geschmack kommen, gibt's neben echtem Schoko-Cakeporn ein Angebot für Jedermann.

Mit Sprichworten ist das ja immer so eine Sache: Jeder kennt und versteht sie, wörtlich genommen machen viele aber nur bedingt Sinn. Hinz und Kunz zum Beispiel – die sind ja angeblich immer da, wenn jeder da ist. Weiß auch jeder, was gemeint ist. Selbst Hinz und Kunz wissen es. Doch wer zum Henker dieser Hinz und dieser Kunz eigentlich sind, weiß dann irgendwie doch niemand. Außer Doktor Google natürlich. Der ruft mal eben Arzthelferin Wikipedia herbei und die erklärt einem dann, dass "Hinz und Kunz" nur die Kurzform von "Heinrich und Konrad" ist. Und weil Eltern wohl schon vor Jahrhunderten dazu neigten, ihren Sprößlingen immer genau die Namen zu verpassen, die auf der Babynamen-Hitliste gerade ganz oben standen, hieß zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert gefühlt eben jeder zweite Mann bzw. Junge Heinrich oder Konrad. Und schwupp hatte man ein Synonym für "Jedermann".

Heute wären der Hinz und Kunz von damals natürlich eher Kevin und Justin. Oder eben August-Yannick-Thore und Oskar-Elias-Finn. Je nachdem. In Köln hingegen trifft seit Neuestem weder das eine noch das andere zu. Hinz und Kunz – das sind jetzt nämlich Mario und Markus. Zumindest stehen sie hinter Lindenthals neuer Café-Perle: dem "Hinz & Kunz" an der Schallstraße. Und ihren Laden haben sie nicht nur so genannt, weil ihnen die Mario-Markus-Alliteration dann wahrscheinlich doch irgendwie zu billig war, sondern weil sich dort eben auch Hinz und Kunz wohlfühlen sollen. Jedermann also.

Cappuccino vom Profi

Weil so ein Wohlfühlfaktor nicht vom Himmel fällt, haben es sich der Hinz und der Kunz in ihrer neuen Wirkungsstätte natürlich auch so richtig hübsch gemacht – mit Industrial-Chic und einer ordentlichen Prise Vintage. Ein alter Fleischwolf da, eine silbergraue Milchkanne dort, ein paar abgenutzte Blechdosen hier. Gefällt ja heutzutage Hinz und Kunz. So hat es das Café offenbar innerhalb weniger Monate geschafft, tasächlich ähnlich beliebt zu werden wie die Top 5 einer jeden Babynamen-Hitliste. Es ist Feiertag und der Laden proppenvoll – und das, obwohl man meinen sollte, dass nach Halloween halb Köln noch mit Kater im Bett liegt. Miau. Doch im "Hinz & Kunz" treffen sie sich trotzdem – die Katerfrühstücker, Naschkatzen und Weitertrinker. Und die mit Bärenhunger.

Zum Wachwerden gibts nicht nur Frühstücksvarianten wie den "Strammen Hinz und Kunz" (getestet von Schlemmen in Köln), Pancakes oder French Toast, sondern natürlich auch die wichtigste Aufputschdroge überhaupt: Kaffee. Und der ist im "Hinz & Kunz" so richtig gut. Der Espresso wird mit einer hauseigenen Röstung von Heilandt-Bohnen gemacht und wer einen Cappuccino bestellt, der sieht und schmeckt, dass da jemand hinter der Machine steht, der Latte Art nicht für seltsame Holzbalkenkunstwerke hält und den Titel Barista auch verdient hat.

Matschige Schokobombe. Yesss!

Für ähnliche Begeisterung sorgen auch der Carrotcake und die "Hinz & Kunz Limo" – zumindest im Test von Greenvenue. Wir hingegen haben uns über Käse- und Schokokuchen hergemacht. Ersteres ist lecker, dürfte Fans des reichhaltigen New-York-Cheesecake aber eher enttäuschen. Das Ganze erinnert nämlich mehr an Omas fluffige Quarktorte und weniger an die fest-gebackene Kalorienbombe aus den Staaten. Der Schokokuchen hingegen ist das, was man heutzutage wohl Foodporn – oder besser gesagt Cakeporn – nennt. Matschig-feucht, Schoko pur, richtig viele Nüsse. Yes!

Wer mit Süßkram so rein gar nichts anfangen kann, der findet auf einer Karte für Hinz und Kunz natürlich auch was: Salate, Suppen, Flammkuchen oder Folienkartoffeln zum Beispiel. Ebenso Jedermann-kompatibel ist die Getränkekarte: Bier, Wein, Alkoholfreies – aus der Flasche oder selbstgemischt. Wer da nichts findet, muss ein Hinz oder Kunz sein. Denn mal ganz ehrlich: So heißt doch heute wirklich niemand mehr.

Vier verschiedene hausgemachte Limonaden (jeweils 3,70 Euro) gibt es auf der Karte – den "Squash" mit Limetten, Zitronen, Orangen, Mandelsirup, Angostura und Mineralwasser zum Beispiel. Geschmacksurteil: Nicht zu süß, nicht zu bitter, sehr lecker!

Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr (Küche bis 19 Uhr), Samstag: von 10 bis 20 Uhr (Küche bis 19 Uhr), Sonn – und Feiertage von 10 bis 18Uhr (Frühstück bis 14 Uhr und danach Kuchen)

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