Köln: Chutney made in Ehrenfeld

"Liebe deine Stadt", "Home is where the Dom is" oder "Veedelliebe" – für die Liebe der Kölner zu ihrer Heimat gibt es viele Worte. Dani hat nun ihre ganz eigenen gefunden: "Ehren Chutney". Was sich dahinter verbirgt, verrät die 31-Jährige im Interview mit Leuk.

Deine Ehren Chutneys gibt es erst seit ein paar Wochen. Wie bist du auf die Idee gekommen und warum ausgerechnet jetzt? Wie bei so vielen kleinen Unternehmen fing alles mit Freunden und Verwandten an. Ich hab zu Weihnachten, auf Grillpartys, Babypartys oder an Geburtstagen immer gerne Selbstgemachtes mitgebracht. Oft waren es verschiedene Chutney-Sorten, die ich zuhause ausprobiert und für lecker befunden hatte. Diesen Sommer sagte eine Freundin beim Grillen dann zu mir: "Dani, dein Chutney schmeckt so geil, verkauf das doch mal!" Im Spätsommer habe ich mich dann tatsächlich mal an ein Logo gesetzt und Ideen notiert. So nahm das Ganze dann seinen Lauf.

Der guten deutschen Bürokratie sei Dank ist es mit den guten Ideen ja aber meist gar nicht so einfach, oder? Leider muss man tatsächlich erstmal einiges bedenken und abhaken, bis man wirklich Geld verdienen darf. Ich musste mir zum Beispiel einen Kleingewerbeschein und ein Gesundheitszeugnis besorgen. Außerdem darf man nicht einfach in der eigenen Küche kochen – man braucht eine Gastroküche, die den Standards des Gesundheitsamtes entspricht. Da habe ich mit Madame Tartine zum Glück einen tollen Partner gefunden – das Ehrenfelder Café bietet nicht nur meine Chutneys an, sondern ich darf dort nach Feierabend auch kochen. Bei der Herstellung selbst muss ich natürlich auch auf einiges achten – zum Beispiel darauf, dass alle Gläser gut sterilisiert sind und nichts auf den Rand kleckert. Auch das Etikett ist wichtig. Wann ich das Produkt gekocht habe und wie lange das Chutney mindestens haltbar ist, muss zum Beispiel unbedingt drauf stehen.

Und das Baby brauchte natürlich auch noch einen Namen… Genau. Ich wollte auf jeden Fall irgendwie einen Ehrenfeld-Bezug. Schließlich lebe ich seit 2009 hier und liebe mein Veedel. Irgendwas mit Ehrenfeld musste es also sein. Da war der Name "Ehren Chutney" schnell gefunden. Mir hat die Doppeltdeutigkeit von "Ehre" einfach gefallen – denn damit ist ja nicht nur der Stolz auf mein Viertel gemeint. Es drückt auch aus, wie geehrt ich mich fühle, wenn Menschen mein Chutney kaufen und es dann auch noch richtig lecker finden. Mein Unternehmen selbst heißt aber nicht "Ehren Chutney", sondern "Ehren Manufaktur". Damit wollte ich mir die Option offen halten, auch andere selbstgemachte Produkte anzubieten – auch wenn der Fokus weiterhin auf den Chutneys liegt. Dass der Helios-Turm seinen Weg ins Logo gefunden hat, war natürlich irgendwie schon fast ein Muss. Der Leuchtturm ist schließlich das Wahrzeichen des Viertels.

Bio, regional, saisonal, vegan – heutzutage schmücken sich Lebensmittel mit allen möglichen Labels. Worauf achtest du bei der Auswahl deiner Zutaten? Also komplett Bio sind meine Zutaten nicht – sonst müsste ich den Preis wesentlich höher ansetzen. Ein paar Besonderheiten gibt es aber schon. Ich nutze zum Beispiel ausschließlich Rohrzucker, denn der schmeckt einfach besser. Beim Essig achte ich auf das Vegan-Label. Dasselbe gilt für den Rotwein. Beides kaufe ich derzeit in Bio-Qualität. Da ich außerdem versuche, saisonal einzukaufen, gibt es einige Chutney-Sorten nicht ständig. Kürbis und Pflaume zum Beispiel – beides bekomme ich irgendwann einfach nicht mehr. In dieser Zeit kann ich dann aber andere Sorten anbieten – mit Zutaten, die je nach Jahreszeit gerade verfügbar sind. Da halte ich meine Kunden immer über Social Media auf dem Laufenden.

Welche Geschmacksrichtungen hast du denn aktuell im Sortiment und hast du einen persönlichen Favoriten? Aktuell habe ich fünf Sorten im Angebot: Rote Beete & Dattel, Pflaume & Rosmarin, Schalotte & Rotwein und Apfel & Zwiebel, was es auch noch in einer etwas schärferen Chili-Variante gibt. Mich da auf einen Favoriten festzulegen, ist gar nicht so einfach. Das hängt immer davon ab, was gerade auf den Teller kommt. Das Schalotten-Chutney zum Beispiel passt perfekt zu Ofengemüse, aber auch Saucen lassen sich damit super pimpen. Wenn ich mir ein Käse- oder Lachs-Sandwiches mache, mag ich das am liebsten mit einem Klecks von dem Apfel-Chutney. Da gibt es wirklich unzählige Möglichkeiten. Meine Rezeptvorschläge findet man übrigens auch bei Instagram. Da zeige ich meine Serviervorschläge, aber auch die von meinen Kunden. ​

Dass es dein Chutney bei Madame Tartine gibt, hast du schon verraten. Kann man denn auch direkt bei dir bestellen und was kostet das Ganze? Wer direkt bei mir bestellen möchte, kann mir einfach eine Nachricht auf Instagram oder Facebook schreiben. Ab einer Bestellung von drei Gläsern bringe ich das Ganze sogar bis zu eurer Tür. Ein Glas kostet aktuell 5,50 Euro und drin sind 230 ml.​

​Wie soll es mit der Ehren Manufaktur weitergehen – wird es irgendwann einen eigenen Laden geben? Nein, einen Laden wird es erstmal nicht geben. Mir macht das alles zwar wirklich viel Spaß, aber es soll ein kleines Gewerbe bleiben. Fest steht: Bei "Die Höhle der Löwen" wird man mich garantiert nicht zu sehen bekommen. Das liegt auch daran, dass ich mich beruflich anderweitig orientieren möchte. Ich komme eigentlich aus der Medienbranche und bin im Bereich PR und Onlinemarketing zuhause. Aktuell suche ich nach einem neuen Job. Wenn es den dann gibt, wird irgendwann automatisch weniger Zeit fürs Kochen bleiben. Dann werden die Chargen zwar etwas kleiner, aber eben auch exklusiver – Limited Edition sozusagen.

Mehr zur Ehren Manufaktur erfahrt ihr auf Facebook.

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