Südstadt: Sport-frei im Südgold

Seit ein paar Monaten gibt es in der Südstadt ein neues Café: Die Südgold Espresso Bar liegt zwar etwas versteckt, ist aber unbedingt einen Besuch wert – und hilft Sportmuffeln bei der Bewältigung alter Traumata.

Es waren traumatische Momente meiner Jugend: Irgendwann im Jahr kam er immer – der Tag, an dem unsere Sportlehrerin den Sprungbock aus dem Depot holen und ihn mitten in der Turnhalle platzieren würde. Dort stand er dann, mindestens zwei Wochen lang, jede verdammte Sportstunde. Wie ein Fels in der Brandung wartete das braune Monster mit den langen Holzbeinen und dem wuchtigen Lederkörper auf uns – darauf, dass wir wie die Titanic gegen den Eisberg prallen und vor Schmerzen windend zu Boden gehen würden. Bei diesem Anblick blieb einem das gute alte "Sport frei!" – ein DDR-Sportlergruß, der bei uns auch nach der Wende noch den Beginn jeder Sportstunde einläutete – direkt mal im Halse stecken. Denn wir wussten: Verlässt dich kurz vor Absprung der Mut, erwartet dich ein heftiger Stoß in die Magengrube. Oder in die Weichteile. Je nach Körpergröße eben. Ja, es gab viele Gründe, sich über das Ende der Schulzeit zu freuen – nie mehr Bockspringen zu müssen, war einer davon.

Warum ich all das erzähle, wenn es hier doch um ein neues Café in der Südstadt gehen soll? Weil eben dieses neue Café – das Südgold an der Trajanstraße 33 – endlich eine nützliche Verwendung für seltsame Gerätschaften wie den Sprungbock gefunden hat. Warum breitbeinig drüber fliegen, wenn sich dieses Höllenteil als Servierstation doch viel besser macht? Selbst die Stapelkisten, auf denen man früher herumturnen musste, ergeben als Theke und bestückt mit einer silberglänzenden Faema plötzlich Sinn – und sehen dabei noch richtig gut aus. Turnhallenboden, Boxhandschuhe, Ziehtau, Paddel und alte Tennisschläger – sie alle erfüllen hier rein dekorative Zwecke. Das begeistert selbst Sportmuffel wie mich. Traumabewältigung im Café. Sportfrei statt "Sport frei!". Herrlich.

Extra-Shot für lau

Noch viel schöner ist natürlich, dass das Südgold nicht nur optisch ein echtes Schätzchen ist, sondern auch in Sachen Geschmack was kann: Das Avocado-Brot mit frischem Basilikum und getrockneten Tomaten ist nicht nur super lecker, sondern mit seinen 3,20 Euro auch noch unschlagbar günstig. Beim Espresso kommen die Bohnen aus dem Hommage zum Einsatz – und wie man es aus dem kleinen Laden im Friesenviertel bereits kennt, werden Cappuccino und Co. auch im Südgold im Wecklglas serviert. Wer's stark liebt, bekommt den Extra-Shot Espresso sogar gratis dazu. Wow.

Ein bisschen färben die vielen Sportgeräte dann aber doch ab: Croissant, Cookies und Bananenbrot sind nämlich das Ungesündeste, was die Südgold-Theke hergibt. Sahnetorten oder kalorienhaltige Kuchen sucht man vergebens. Macht aber nix. Stattdessen gibt es schließlich ebenfalls tolle Smoothies, belegtes Baguette oder Ciabatta und frisch gepressten Saft. Und netten Service noch dazu.

Der richtige Ort für eine bezaubernde Kaffeepause: Im Oktober 2016 hat die Südgold Espresso Bar in der Südstadt eröffnet.

Während der Semesterferien geht es ruhig zu im Südgold. Ist die vorlesungsfreie Zeit vorbei, wird das kleine Café allerdings von den Studenten der nahegelegenen Technischen Hochschule belagert.

Wer Cappuccino und Co. nicht "to go" bestellt, der bekommt seinen Koffeinkick – ähnlich wie im Hommage – im Weckglas serviert.

Dem Sprungbock endlich ohne Angst entgegenblicken – das Südgold macht's möglich.

Bananenbrot, Smoothies, belegte Brote und Kaffee – im Südgold lautet das Geschmacksurteil in allen vier Fällen: lecker!

Wo: Trajanstr 33, 50678 Köln. Wann: Montag bis Samstag von 9 bis 17 Uhr

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