USA: Diese Geisterstadt musst du gesehen haben

Wer bei Golddigger zuerst an Jay Z denkt, für den ist es an der Zeit, die Synapsen neu zu verknüpfen. Denn die beste Goldgräber-Geschichte in den USA ist nicht made in Brooklyn, sondern made in Bodie.

Bodie – das ist Sex and Crime. Oder zumindest war es das mal, und zwar schon im 18. Jahrhundert. Damals kamen unzählige junge Männer in die Stadt nahe der Sierra Nevada Mountains. Der Grund: Hier, an der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada, war ein Typ namens William S. Bodey auf Gold gestoßen – und das sprach sich rum. Kaum war eine Goldader entdeckt, gab es die erste Mine – und immer mehr Jungs machten sich auf den Weg, um in Bodie ihr Glück, oder besser gesagt ihren Wohlstand, zu finden.

Goldgraben schön und gut. Doch was die Männer wollten, nachdem sie den ganzen Tag unter Kerlen verbracht und hart geschuftet hatten, ist unschwer zu erraten: Frauen. Und nen ordentlichen Drink. Also gab's bald Bordelle, unzählige Saloons, Saufgelage, Mord und Totschlag. Bodie war wilder Westen wie im Bilderbuch, ein Ort der Gesetzlosen. Um genau zu sein, war es bald nicht mehr nur irgendein Ort, sondern eine der größten Städte Kaliforniens. Einige waren sogar verrückt genug, mit Kind und Kegel hierhin zu ziehen. Fast 10.000 Einwohner zählte Bodie irgendwann – das war für damalige Verhältnisse verdammt viel Mensch auf einem Haufen.

Ein verfluchter Ort voller Mythen

Wer Wikipedia heute nach Bodies Einwohnerzahl befragt, findet dort: 0. Null. Zero. Nada. Korrekt, in Bodie lebt offiziell inzwischen keine Menschenseele mehr. Der Goldrausch war irgendwann vorbei, das Edelmetall abgegraben und die Lebensgrundlage der Menschen weg. Die Stadt schrumpfte vor sich hin. Als es dann auch noch einen Großbrand gab, suchten selbst die hartnäckigsten Bewohner das Weite, oder starben irgendwann.

Menschen sieht man in Bodie trotzdem noch so einige – und zwar Besucher. Denn: Bodie ist inzwischen als eine der coolsten Geisterstädte bekannt. Zu Recht. Im Gegensatz zu vielen anderen amerikanischen Ghost Towns gibt es hier nämlich wirklich was zu sehen. Zahlreiche Häuser stehen hier noch, als seien die Bewohner nur mal eben um die Ecke in den Supermarkt. Dass die verbliebenen Gebäude so gut erhalten sind, hat natürlich auch damit zu tun, dass Bodie inzwischen ein State Park ist und sich Ranger um die Häuser und das Gelände kümmern.

In Sachen Foto-Location ist dieser Ort jedenfalls kaum zu toppen – hier rosten Autowracks unter strahlend blauem Himmel vor sich hin, eine Zapfsäule steht regungslos im hitzeverdorrten Gras, Grabsteininschriften erinnern an die Namen einstiger Bewohner. Und als ob all das nicht schon mystisch genug wäre, gibt es auch noch Gerüchte, dass der Ort verflucht sei. Es heißt, die Seelen der Verstorbenen wachen bis heute über das Hab und Gut der Stadt. Wer etwas aus dem Park mitnimmt, wird angeblich fortan vom Unglück verfolgt.

Nächtlicher Nervenkitzel

Wer Nervenkitzel sucht, ohne dabei gleich ewiges Pech zu risikieren, dem sei eine Nacht spontanes Wildcamping in der Gegend zwischen Mono Lake und Bodie empfohlen. Neben der Flashflood in den Mountains ist das definitiv Platz zwei unter meinen "Most scary Moments" unseres sechswöchigen US-Roadtrips. Warum? Schilder, ob es sich hier wirklich um Public Land handelt, sucht man vergebens. Ergo: Dass irgendwann ein schießwütiger Amerikaner mit seiner Flinte vor dem Zelt steht und einem klar macht, dass man besser schnell die Beine in die Hand nimmt, ist nicht ganz auszuschließen. Zumindest im Kopf von Hasenfüßen wie mir. Allerdings ist das noch das unwahrscheinlichste Szenario. Schließlich lebt hier wirklich niemand.

Viel wahrscheinlicher erscheint der Besuch von anderen, nicht minder unagenehmen Zeitgenossen: den Kojoten. Kaum bricht die Dunkelheit ein, hört man sie aus der Ferne heulen. Und im Rudel sind die ja bekanntlich nicht immer zu Scherzen aufgelegt. Wenn dann auch noch der Wind aus allen Richtungen gegen die Zeltwände hämmert und man keine Ahnung hat, ob das nun wirklich nur Wind oder doch ein hungriger Präriewolf ist, zählt man nicht nur die Minuten bis zum Morgengrauen, sondern bereut auch jeden Schluck Bier, der nun auf die Blase drückt und einen zwingen könnte, das Zelt doch noch mal zu verlassen. Immerhin: Gruselgeschichten von angeblich verfluchten Geisterstädten können einen nach so einer Nacht definitiv nicht mehr schrecken.

Wildcampen nahe Bodie: Wiegen sich die entfernten Hügel erstmal im Rot der Abendsonne, ist das sogar ziemlich romantisch. Nur die Nacht hat es in sich. Und: Ob das ganz legal ist, darf auch bezweifelt werden. Also eher was für Durchgeknallte wie uns.

Aktuell ist Bodie wegen eines Erdbebens bei Hawthorne vorrübergehend geschlossen. Normalerweise ist der State Historic Park aber ganzjährig geöffnet. Allerdings ist die Strecke dorthin keine asphaltierte Straße. Im Winter braucht es laut State-Park-Angaben sogar ein Schneefahrzeug, um Bodie zu erreichen, denn aufgrund der Höhenlage wird es eisig.

In einigen Gebäuden ist die Inneneinrichtung noch erhalten und es wirkt beinahe, als seien die Bewohner nur kurz weg.

Die Park-Ranger bieten mehrmals täglich Touren in Bodie an, bei denen man mehr über die Geisterstadt erfährt.

Bodie liegt nordöstlich von Yosemite und nördlich von Mono Lake, den man sich auf jeden Fall anschauen sollte, wenn man in der Gegend ist.

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