Ehrenfeld: BAR ZWEI – neue Bar eröffnet heute

Wer den alten Jackpot an der Venloer Straße in Ehrenfeld kannte, der weiß: Diese üble Spelunke in eine chice Bar zu verwandeln, ist eine echte Mammutaufgabe – und ein bisschen irre muss man dafür schon sein. Umso mehr dürfte es die Ehrenfelder Nachtschwärmer freuen, dass sich mit Tobias Mintert tatsächlich jemand gefunden hat, der sich genau dieser Herausforderung gestellt hat. Erfahrung mit dem Nachtleben und der Gastro-Branche hat der 42-Jährige bereits. Und heute, nach vier Monaten harter Arbeit, ist es endlich soweit: Seine "Bar Zwei" eröffnet. Drei Nächte lang könnt ihr die neuste Bar im Veedel beim großen Eröffnungswochenende testen. Was euch dort erwartet, wie viel ihr für einen Drink bezahlen müsst und woher ihr Tobias vielleicht schon kennt, das erfahrt ihr im Interview.

Woher kennt man dich in Köln?

Ich habe seit vielen Jahren die Barracuda Bar im Belgischen Viertel – dort habe ich ganz früher gekellnert und den Laden dann vor zehn Jahren übernommen. Jetzt dachte ich, ist der Schritt zurück nach Ehrenfeld der richtige. Ich wohne hier schon seit 1996, direkt um die Ecke.

Warum braucht Ehrenfeld eine neue Bar?

Das ist purer Egoismus. Ich habe selber immer das Gefühl gehabt, dass es zwar viele schöne Bars in der Nachbarschaft gibt, aber noch nicht das Passende für mich. Je älter ich werde, desto mehr ändert sich eben auch der Anspruch. Für einen richtig guten Gin-Tonic oder einen leckeren Whisky Sour bin ich meistens in ein anderes Viertel gefahren. Ich hoffe, dass ich mit dem, was ich mache, in eine Lücke stoßen kann.

Also hochwertige Drinks und gediegenes Ambiente?

Gute Drinks auf jeden Fall. Gediegen eher nicht – zumindest nicht im Sinne von: Krawatte im dritten Knopfloch und ChiChi-Bar. Anspruch muss nicht mit Spießigkeit einhergehen. Eine schöne, entspannte Bar eben. Vorerst wird es nur Getränke geben. Ich halte mir aber völlig offen, ob wir nicht irgendwann doch sagen: Wir holen uns eine super Kaffeemaschine, servieren ein paar tolle Quiches, Kuchen und Pastrami.

Auf welche Flüssignahrung der Extra-Klasse dürfen wir uns gefasst machen?

Wir haben einige selbst kreierte Drinks und arbeiten zum Teil mit wirklich hochwertigen Zutaten. Frische Kräuter und Obst – damit lassen sich tolle Sachen machen. Vor allem im Gin-Bereich sind wir sehr breit aufgestellt. Es wird zum Beispiel einen super Gin-Cocktail mit Himbeeren und Thymian geben. Generell geht es aber nicht so sehr darum, dass die Cocktails möglichst crazy sind. Gut sind vor allem optimierte Klassiker. Ein Whisky Sour mit frischem Ingwer zum Beispiel. Letztlich ist es wie beim Kaffee oder beim Kochen auch – es ist immer eine Qualitätsfrage, ob etwas schmeckt.

Qualität hat in der Regel auch ihren Preis...

Mir ist wichtig, dass Leute hier auch einen günstigen Drink nehmen können. Es muss überall gehen, dass du einen Gin Tonic für sechs Euro bekommst – dann ist es eben kein Gin Mare mit flambierten Rosmarin, sondern ein Gorden's-Tonic. Auch beim Bier sind die Preise fair kalkuliert. Das Kölsch kostet 1,50 Euro. Wer allerdings ein optimiertes und hochwertiges Getränk möchte, das den Barkeeper auch etwas Arbeit abverlangt, der muss dafür dann auch einen Zehner auf den Tisch legen.

Wen willst du in deine Bar locken?

Die Zielgruppe ist ganz breit. Generell würde ich sagen: Leute, die Wert auf gute Sachen legen. Vor 20 Jahren haben die Leute Jakobs Krönung getrunken, jetzt trinken sie Soja-Chai-Latte – die Entwicklung geht weiter und der Anspruch wächst. Das gilt auch im Bar-Bereich.

Bar Zwei heißt der Laden, weil...

...es meine zweite Bar ist. Ganz simpel. Ich habe lange überlegt, mir viel Poesie und lange Listen aus den Fingern gesogen. Doch umso verspielter das Ganze drinnen wurde, umso stärker wurde der Wunsch, dem von außen etwas ganz Schlichtes und Nüchternes entgegenzusetzen. Der Name Bar Zwei stand schon die ganze Zeit im Raum und vor drei Tagen fiel dann die Entscheidung, dass es dabei auch bleibt.

Wie viel Barracuda Bar steckt in der Bar Zwei?

Die Barracuda Bar ist ein Mittelding zwischen Club und Bar. In der Bar Zwei hingegen steht ganz klar das Bar-Geschehen im Vordergrund. Musik wird hier eher ein Hintergrund-Ding sein. Auch beim Genre will ich mich da viel breiter aufstellen – also nicht vorrangig Elektro wie in der Barracuda Bar. In der Bar Zwei wird es vor allem positive, atmosphärische Musik geben.

Vom alten Jackpot ist nichts mehr übrig. Worauf kam es dir bei der Neugestlatung an?

Es ist die erste Bar, die ich komplett selber gebaut habe. Zum Teil war ich da vielleicht etwas zu detailverliebt und bin übers Ziel hinausgeschossen. Die Theke ist zum Beispiel aus echtem Stein. Das ist haptisch total schön und ich stehe da die ganze Zeit und streiche darauf rum. Im forderen Bereich war es mir wichtig, ein paar Art-Deco-Elemente zu integrieren. Dafür aber wenige Farben. Ich will mit Brüchen spielen – und überlege, in Zukunft über Sky auch FC-Spiele zu zeigen. Je nachdem, was das Ganze dann kostet. Aber der Laden soll eben nicht nur chice Bar sein, sondern wie das Viertel selbst – voller Gegensätze. Ich bin total gespannt, wie's ankommt. Es steckt auf jeden Fall eine Menge Herzblut drin.

Heute Abend startet das Eröffnungswochenende – was erwartet uns und wie geht's weiter?

In den ersten drei Tagen geht es vor allem erstmal darum zu schauen, wie die Leute das Ganze finden. Danach gucken wir: Was ist gut gelaufen, was ist schlecht gelaufen, was können wir optimieren? Ab nächster Woche werden wir dann irgendwann auch durchgängig öffnen.

Wo: Venloer Straße 437, 50825 Köln. Wann: Donnerstag bis Samstag von 20 bis 4 Uhr

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