Ehrenfeld: Woanders mal anders

Gut sieben Monate nach der Eröffnung hat sich im Kulturcafé Woanders viel getan. Wie das Geschäft an der Lichtstraße läuft und warum ihr euch das kommende Wochenende rot im Kalender markieren solltet, verrät Patrick aus dem Woanders-Team im Interview mit Leuk.

Vor rund sieben Monaten habt ihr eröffnet. Was gibt es Neues?

Der Bulli vor der Tür ist natürlich offensichtlich – unsere neue Außenterasse. Für Sitzplätze draußen haben wir keine Genehmigung bekommen. So entstand die Idee, die Ladefläche eines Transporters zu nutzen. Auch unsere Karte hat sich gewandelt – vor allem, weil viele Leute aus den umliegenden Büros in der Mittagspause zu uns kommen. Statt Snacks wie Foccachia und Pommes gibt es nun also einen richtigen Mittagstisch. Und wir machen inzwischen auch Catering – damit haben wir uns ein zweites Standbein geschaffen.

Klingt nach einer tollen Entwicklung...

Natürlich gab es auch Startschwierigkeiten. Aber wir haben seit der Eröffnung viel gelernt – vor allem was die Kommunikation untereinander angeht. Wir sind eng befreundet und da denkt man schnell: "Ach, der weiß schon, wie ich das meine". Aber so einfach ist es dann eben doch nicht, wenn man zusammen einen Laden hat. Inzwischen sind wir als Team viel eingespielter und organisierter. Außerdem gehen wir mit mehr Geduld an die ganze Sache ran. Am Anfang wollten wir einfach wahnsinnig viel und alles auf einmal. Damit setzt man sich selbst enorm unter Druck. Diesen Druck haben wir ein Stück weit rausgenommen. Unsere Ziele und Visionen bleiben natürlich – aber wir gehen das jetzt Step by Step an.

Wie sieht die Vision denn aus?

Wir wollen eine Art Kulturzentrum oder auch Künstlerbotschaft werden. Ein Ort, an dem Künstler ihre Werke ausstellen können und sich gut aufgehoben fühlen. Gleichzeitig wollen wir für unsere Gäste ein Wohlfühloase sein. Letztlich geht es darum, eine Schnittstelle zu bilden. Kunst ist oft etwas Exklusives. Damit wollen wir brechen, indem wir sie für jedermann zugänglich machen und sie zu uns ins Café holen. Dabei liegt unser Augenmerk vor allem auf jungen Künstlern, die keinen akademischen Background haben, denn die können den Support besonders gebrauchen. Nur weil jemand nicht an einer Kunstakadamie studiert hat, heißt das nicht, dass seine Arbeiten weniger gut sind – aber oft ist es dann schwieriger, sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Genau da wollen wir Unterstützung bieten und eine Plattform schaffen.

Habt ihr denn an der Lichtstraße den richtigen Standort dafür gefunden?

Ich bin super happy mit dem Standort. Abgesehen davon, dass wir hier bei schönem Wetter den ganzen Tag Sonne haben, birgt die Lage das Potenzial für einen Szenestandort. Wir sind etwas ab vom Schuss – und damit auch soetwas wie ein verstecktes Juwel. Etwas, das man erst entdecken muss. Außerdem passt Ehrenfeld gut zu uns. Hier ist es sehr international, es gibt viele junge Leute und kleine Ateliers. Und es tut sich jede Menge – siehe "Bumann & Sohn". Dass die ihre Bar hier eröffnet haben, ist auch für uns super, denn so zieht es noch mehr Leute ins Viertel.

Nach Ehrenfeld vielleicht, aber den Weg in die Lichtstraße muss man dann doch erstmal finden.

Klar, der Nachteil ist natürlich, dass du hier kaum Laufkundschaft hast. Das ist vor allem am Anfang schwierig – da legst du keinen Kick-Start hin, wie es vielleicht mit einem Laden in der Innensatdt oder im Belgischen Viertel der Fall wäre. Inzwischen kommen die Leute aber, weil sie über Mund-zu-Mund-Propaganda von uns erfahren haben. Unsere Freunde machen da einen tollen Job und rühren fleißig die Werbetrommel. Dementsprechend tut sich auch auf der Künstlerseite etwas. Inzwischen fragen die ersten an, ob sie bei uns ausstellen dürfen.

Apropos ausstellen – am Wochenende steht bei euch ein ganz besonderes Art-Event auf dem Programm.

Genau, am Freitag und Samstag verwandelt sich das Woanders in die Woanders Art Gallery. Unsere inzwischen dritte Vernissage ist ein ganz besonderer Meilenstein, denn mit der Ausstellung "Abstract Tides" von Sandjill haben wir zum ersten Mal eine junge Künstlerin aus Paris zu Gast. Damit schaffen wir die Verbindung zur internationalen Kunstszene. Den Leuten, die es am Wochenende zu uns schaffen, wollen wir natürlich auch richtig was bieten. Sandjill selbst wird vor Ort sein – es gibt aber auch DJ- und Live-Musik. Los geht's am Freitag ab 20 Uhr. An dem Abend treten Bennet aus Köln und Kate Jones aus den USA als Liveacts auf. Am Samstag legen wir schon gegen 18 Uhr los. Später spielen dann Lucie Licht aus Köln und Stefan Kutz, ein französischer Chansonsänger. Und am Sonntag gibt es sogar noch einen Flohmarkt, den wir gemeinsam mit dem Sonic Ballroom veranstalten. Wer also Bock auf Trödeln hat, kann direkt nochmal vorbeikommen.

Das nächste große Event steht also. Gibt es weitere Pläne?

Wir haben da ganz viel im Kopf. Wir denken zum Beispiel über ein Sommerfestival nach, planen einen Umbau und auch die Boutique mit unseren Produkten wollen wir künftig noch stärker bewerben. Aber wir haben gerade erst angefangen zu laufen und müssen noch ein bisschen unsere Flügel ausbreiten. Das braucht Zeit, aber es macht Spaß!

Wo: Lichtstraße 64, 50825 Köln. Wann: Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Sonntag 11 bis 18 Uhr. Vernissage mit Live-Musik: 12./13. Mai 2017 ab 20 Uhr.

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