Köln: Favoriten beim Streetfood Festival

Burger, Taccos, Cheesecake, Sandwiches und noch viel mehr gibt's regelmäßig beim Kölner Streetfood Festival in Ehrenfeld. Ich habe mich durch das Angebot der Foodtrucks gefuttert – und verrate euch meine Favoriten.

Festhalten, hier kommt ein Meilenstein meines Daseins: Ich war Mitglied einer Jury. Das deutsche Wort "Expertengremium" gefällt mir da spontan natürlich viel besser. Schließlich betont es, dass ich nun genau das bin: Experte. War ich noch nie. Außer im Klugscheißen vielleicht, aber das ist ein Erbdefekt. Abgesehen davon halten sich meine Talente in Grenzen. Mode? Kein Plan! Seit der Pubertät hat sich mein Stil nicht wirklich verändert – nur den Rock-über-Hose-Qutasch hab ich irgendwann gelassen. Singen, Musizieren, Malen? Fehlanzeige. Programmieren, Dividieren, Tapezieren? Auch nicht.

Aber eins, das kann ich dann doch: Essen. Nein, nicht kochen. Nur essen. Immerhin. Haben sich die Macher des Kölner Streetfood Festivals nach genauerer Inspektion meines Insta-Feeds offenbar auch gedacht – und mich spontan dazu eingeladen, das Helios-Gelände in Ehrenfeld als hungrige Hyäne zu betreten und als rollender Mops wieder zu verlassen. Einmal durchfressen, bitte! Danach: Bewerten und eine Top 3 erstellen – für den Street Food Award. Und wenn das eigene Talent schon mal groß rauskommt, dann nimmt man so eine verantwortungsvolle Aufgabe natürlich auch ernst. Also habe ich – mit Verstärkung im Gepäck – am Wochenende so viel probiert wie nur ging. Sich dabei auf drei Favoriten festzulegen, war schwerer als gedacht. Aber ein Experte muss tun, was ein Experte tun muss. Nur nicht auf LEUK. Hier gilt: My Home is My Castle. Also wird hier die Top 3 einfach mal verdoppelt – und ihr bekommt meine sechs Streetfood-Lieblinge.

Platz 6: Tasty Cream

So ganz neu ist der Ice-Rolls-Foodtrend nicht, weshalb es in Berlin dafür nur noch ein müdes "Man, ditt kenn ick doch längst" geben dürfte. Weil in Köln die Uhren aber bekanntlich etwas langsamer ticken und hier alles kütt wie et kütt, war es dann doch eine kleine Sensation, dass die handgespachtelten Eisröllchen jetzt auch ihren Weg zu uns gefunden haben. Die Endlos-Schlange vor dem Stand von Tasty Cream ließ jedenfalls auf große Begeisterung schließen – wohl nicht zuletzt dank sommerlicher Temperaturen. Optisch jedenfalls sind die Röllchen ein Knaller aus der Kategorie "besonders fotogene Speisen". Ein Hingucker ist aber auch die Zubereitung: Wer sieht, wie das Team von Tasty Cream die Toppings mit der Sahne auf dem Cold Stone zu einer homogenen Masse verhackstückt, der weiß, dass dieser Job jedes Anti-Agressions-Training überflüssig macht. Hacken, Streichen, Spachteln – fertig sind die Röllchen. Was rein und drauf kommt, entscheidet jeder selbst. Schon erstunlich, was für riesige Portionen sich aus den paar Zutaten zaubern lassen. Und: Das Ganze schmeckt auch noch richtig lecker.

Platz 5: Kikeriki

Wer meint, Kentucky Fried Chicken sei the Godfather of knusprige Hähnchenschenkel, der sollte dem Foodtruck von Kikeriki dringend einen Besuch abstatten. Denn die Jungs zeigen euch, wie knusprige Panade ums Flügeltier wirklich geht – und zwar Asian Style. Bevor die Crispy Wings auf dem Servierschälchen landen, bekommen sie noch eine kleine Geschmacksdusche mit Erdnusssoße (Indonesia), Honeysojasoße (Tokio), vietnamesischer Limonensoße (Sai Gon) oder Hot Sweetchili-Soße (Classic). Frische Kräuter und Toppings wie Röstzwiebeln oder Sesam gibt's außerdem oben drauf. Ergebnis: richtig lecker. Vier Wings kosten fünf Euro, die große Portion mit sechs Wings bekommt ihr für 7,50 Euro. Übrigens auch richtig gut: der Chrispy Chicken Burger mit rosafarbenem Rote-Beete-Bun für 6,50 Euro – eine gute Alternative für alle Burger-Fans, die Beef und Pulled Pork langsam nicht mehr sehen können.

Platz 4: Los Carnales

Spätestens seit ihrem Gastauftritt im LADEN EIN sind Los Carnales in Köln keine Unbekannten mehr – und heiß begehrt. Die Jungs servieren frisch zubereitete Tacos und Quesedillas, die nix mit dem TexMex-Schrott zu tun haben, den man andernorts manchmal aufgetischt bekommt. Statt schnödem Hack wandern hier feine Zutaten wie Schweinenacken in selbstgemachter Pastormarinade, zart gekochte und kurz gegrillte Rinderzunge oder auch gepulltes Hähnchen in die Tortillas. Garniert wird das ganze mit frischen Toppings wie Koriander und Eisbergsalat. An den hausgemachten Salsas darf sich dann jeder selbst bedienen. Vegetarier und Veganer, die sich jetzt enttäuscht abwenden wollen: Hiergeblieben! Los Carnales wäre nicht der beliebteste kölsche Mexikaner auf vier Rädern, wenn er nicht auch was für euch hätte. Also wie wär's mit den Camote-Tacos mit Süßkartoffeln und schwarzen Bohnen? Die kann selbst meinereins als Fleischfresser empfehlen. Ebenfalls zu empfehlen ist, bei Los Carnales bei jedem Streetfood Festival aufs Neue vorbeizuschauen, denn die Crew wartet mit wechselnden, originellen Kreationen auf. Beim Juni-Event gab's zum Beispiel Hähnchen mit Mole – einer Schokoladensoße aus vier Chilisorten und 13 verschiedenen Gewürzen. Was die Preise angeht: Eine große Portion Taccos mit fünf Stück bekommt ihr mit Fleisch für 9,50 Euro, die veganen Varianten kosten 7,50 Euro.

Platz 3: Dinkelmann

"Dink Different" lautet das Motto der Dinkelmann-Crew, die ihren Namen der Tatsache verdankt, dass sie Naanbrot aus eigener Dinkelmehlmischung herstellt. Different – so viel steht fest – ist dieser Food Truck zweifelsohne. Denn während es auf dem Foodfestival an den meisten Ständen mit herzhafter Kost immer noch recht fleischlastig zugeht, gibt es hier rein vegetarische Kost – und die ist so gut, dass selbst Fleischfresser daran nicht vorbeigehen sollten. Besonders zu empfehlen: der Thaliteller (12,90 Euro), der alle Dinkelmannspezialitäten vereint. Und das ist eine Menge: Basmatireis, Linsencurry, Raita, Belugalinsen, gebratenes Gemüse, Mango- und Feigenchutney, selbstgemachte Falafel, Tahini, Ziegenkäse, Feta, Parmesan, Pulled Jack Fruit, Feigensenf – und natürlich das berühmte Naanbrot. Das Ergebnis: Unterschiedlichste Flavors und Texturen vereinen sich zu einer großen Geschmacksexplosion. Wer es lieber eine Nummer kleiner und handlich mag, der bestellt einfach einen der Naan-Wraps (6,90/7,50 Euro), denn die sind – so zwitscherte mir ein Vögelchen – "auch verboten gut".

Platz 2: Futterflotte

Richtig tolles und aufwendig zubereitetes Fleisch gibt's an so einigen Ständen des Streetfood Festivals. Nur ist das beim Burger und Sandwich eben nur die halbe Miete. Genau aus diesem Grund hat sich die Futterflotte mit ihrem Henni’s Cheese Steak Sandwich (7,50 Euro) das Silber-Treppchen in LEUKs Streetfodd Festival Food-Ranking verdient: Weil hier eben alles stimmt – vom Fleisch bis hin zum Topping und dem Brot. Das gegrillte Entrecôte harmonisiert einfach perfekt mit dem der Würze des geschmolzenen Cheddar und der Süße der Zwiebel-Speck-Marmelade. Und auch das Sandwichbrot, das die Futter-Experten in der Backstube eines Essener Bäckers von Hand fertigen lassen, ist weder zu trocken noch labbrig. Wenn man dann noch weiß, dass hier Wert auf qualitativ hochwertige und regionale Produkte gelegt wird und dass das Fleisch aus artgerechter Tierhaltung von ausgewählten Metzgereien und Direkterzeugern stammt, dann kann erst recht voller Genuss zubeißen.

Platz 1: Dessert Inc.

Achtung, akute Suchtgefahr! Diese Warnung ist bei den Cheesecakes von Desserts Inc. definitiv angebracht. Egal, ob nun mit Salted-Caramel-Soße und Peanuts oder mit Lemon Curd: Diese Kuchen sind Weltklasse. Um genau zu sein, dürfte es schwierig werden, irgendwo in Köln besseren Cheesecake aufzutreiben. Knusprig-süßer Boden, herrlich cremige Frischkäse-Schicht und perfektes Topping – diese sündhaft gute Kombination hat beim Streetfood Festival schon mehrfach dafür gesorgt, dass die Kuchen des sympathischen Duos aus Holland innerhalb kürzester Zeit ausverkauft waren. Wie oft sie schon gefragt wurden, wann sie endlich ein Café eröffnen, können die beiden mittlerweile wohl kaum noch zählen. Allerdings stehen die Chancen darauf eher schlecht. Da hilft nur: Beim Streetfood Festival immer genug Platz im Magen lassen für diesen grandiosen Nachtisch. Und: Direkt noch ein Stück (4 Euro) für zuhause mitnehmen – das verkürzt die Wartezeit bis zum nächsten Cheesecake-Date auf dem Heliosgelände zumindest ein bisschen.

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