Köln: Das sind die Gastro-Neueröffnungen


Wer von Köln aus auf Städte wie Berlin oder Hamburg blickt, der gewinnt schnell den Eindruck, dass am Rhein ziemlich tote Hose herrscht in Sachen gastronomisches Kreativpotenzial. Während in der Hauptstadt eine spektakuläre Neueröffnung die andere jagt, freuen wir uns hier schon wie Kleinkinder, wenn auch wir endlich einen hawaiianischen Poké-Laden bekommen – und das ein gefühltes Jahrzehnt nach dem Aufploppen des Trends. Also nichts los unterm Dom? Oh doch! In den vergangenen beiden Monaten gab es gleich mehrere Neueröffnungen in Köln. Und mit dem Johann Schäfer findet sich darunter mindestens ein Kandidat, den man getrost als innovativ bezeichnen darf.

Südstadt: Johann Schäfer

Wem Brauhäuser viel zu angestaubt und rustikal sind, dem beweist das Johann Schäfer, dass es auch anders geht. Modernes Industrie-Design statt Gelsenkirchener Barock, Gemütlichkeit ohne überflüssigen Kitsch – und kreative Küche, die kölsche Klassiker neu interpretiert. Die Rippchen und der Bauchspeck sind zum Niederknien, die handgeschnitzten Fritten werden mit hauseigener Tomatensauce serviert und selbst Veggies werden hier bei Salat und Jemös glücklich. Aus der fleischfreien Sparte empfiehlt sich zum Beispiel: der Porto Bello Pilz mit Mohnöl oder der herrlich würzige Fenchelsalat mit Ziegenkäse. Gekocht wird mit Produkten aus der Region, alles frisch, alles selbstgemacht. Mit viel Liebe und viel Lecker. Als Durstlöscher dienen hauseigenes Pils und Weizen – beides so gut, dass Kölsch allenfalls dritte Wahl ist. Hinter dem Brauhaus 2.0 stehen im Übrigen drei Kölner Gastro-Experten: Till vom Laden Ein, Thomas vom Café Bo und André vom Maison Blue. Kein Wunder also, dass in den Räumen der ehemaligen Spedition an der Elsaßstraße nun ein Brauhaus zuhause ist, das die Stadt so noch nicht gesehen hat. Offizielle Eröffnung war am 25. November.

Ehrenfeld: Deleeciosa

In ihrem Ehrenfelder Concept Store Deleeciosa vereinen die beiden Schwestern Elena und Lysandra das Beste aus zwei Kulturen. Weil der Papa aus Indonesien und die Mama aus Spanien kommt, gibt es an der Venloer Straße Leckereien aus beiden Ländern, Kaffee mit Bohnen aus Indonesien, Feinkostprodukte, aber auch Deko- und Design-Artikel. Mittags bekommt ihr hier wechselnde Tagesgerichte – jeweils mit einer Veggie-Option – und Salate wie zum Beispiel GadoGado. Eröffnung war am 25. November.

Südstadt: Südlicht Café & Shop

Für den Traum von der Selbstständigkeit hat Sarah ihren Job als Storemanagerin hingeschmissen. Nun betreibt sie gemeinsam mit ihrem Freund Niko das Südlicht – eine Mischung aus Café und Shop am Eifelwall. In nordischem Ambiente werden Gäste hier mit Kaffee von den Ernst Kaffeeröstern, Frühstück, Lunch-Snacks, selbstgemachten Kuchen und himmlichen Zimtschnecken verwöhnt. Nebenan im Lädchen darf nach Design-Artikeln von Marken wie ferm gestöbert werden. Eröffnung war am 23. November.

Südstadt: Brasserie aller Kolör

Gleicher Betreiber, neues Konzept: Aus dem Alteburger Hof in der Südstadt ist die Brasserie aller Kolör geworden. Nun also französische Kost. Immerhin: Die neue Speisekarte liest sich gut. Vor allem das Frühstücksangebot klingt vielversprechend: Neben Pancakes gibt es die Frühstücks-Etagere für 2, French Toast, les Croques (belegte Brote), Rührei und Frühstücksplatten – darunter eine vegane Option. Mittags stehen jeweils zwei wechselnde Tagesgerichte zur Auswahl. Für weniger als zehn Euro bekommt ihr dann zum Beispiel frische Ziegenkäseravioli oder auch gar nicht so französisch klingende Fischstäbchen mit Kartoffeln, Spinat und Spiegelei. Euren Zuckerspiegel könnt ihr mit belgischen Waffeln, Kuchen oder süßen Sünden von Törtchen Törtchen auf Touren bringen. Abends wird dann wieder herzhaft gespeist: Bœuf bourguignon zum Beispiel, oder Flammkuchen, Salat, Pasta oder "Fischiges aus der Konserve". Eröffnung war am 17. November.

Agnesviertel: The Coffee Gang

Mit ihrem tollen Kaffee und dem fabelhaften Cheesecake haben sich Kölns Kaffee-Gangster längst einen Namen gemacht. Und genau damit versorgen sie uns jetzt nicht mehr nur in der Südstadt, sondern auch im Agnesviertel. An der Neusser Straße 53 hat The Coffee Gang nämlich eine zweite Filiale eröffnet. Der neue Laden ist etwas kleiner, aber nicht weniger gemütlich als der Standort am Ring. Eröffnung war am 16. November.

Ehrenfeld: Goodies

Jahrelang hatte Mister Kumpir an der Venloer Straße 276 seinen Sitz – bis er irgendwann eine Tür weiter zog. Weil der alte Laden zu klein und zu schäbig war. Samy hat sich dieser Bruchbude angenommen, die Sanitäranlagen erneuert und daraus seinen libanesischen Imbiss Goodies gemacht. Die Falafel sind dank der Donut-Form besonders knusprig und können wahlweise als Tellergericht oder Wrap vernascht werden. Für Fleischfresser gibt es Hähnchen und Lamm. Eröffnung war am 10. November.

Altstadt-Nord: Mangal Gemüse Kebap

In Berlin hat sich Mustafas Gemüsedöner zur kulinarischen Attraktion gemausert, vor der vor allem Touristen freiwillig Ewigkeiten schlange stehen. Damit war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch in Köln jemand auf den Gemüsedöner-Zug aufspringen würde. Zu finden ist Kölns erster Gemüse Kebap an der Weidengasse. Mangal hat dort bereits ein Restaurant. Nun hat das Team direkt nebenan einfach einen weiteren Laden eröffnet, in dem ihr euch die beliebten Dönertaschen nicht nur mit Fleisch, sondern auch mit frittiertem Gemüse befüllen lassen könnt. Zu haben für 4,50 Euro und sehr lecker. Eröffnung war am 17. November.

Südstadt: Don Kölle

Fusion-Food der anderen Art bekommt ihr bei Don Kölle. Manch einem ist der Name vielleicht noch aus dem Laden Ein in Erinnerung geblieben, denn genau dort hat das Don-Kölle-Team seinen gastronomischen Testlauf gestartet. Und offenbar lief das Pop-up-Intermezzo im April dieses Jahres so gut, dass daraus nun ein eigenes Geschäft geworden ist. In dem kleinen Don-Kölle-Imbiss am Mauritiuswall trifft kölsche Kochkunst auf chilenische Hausmannskost. Ergebnis sind zum Beispiel Ceviche auf Rievkooche oder Himmel-un-Äd-Empanadas. Eröffnung war am 16. Oktober.

Innenstadt: Tuscolo

Nachdem das GinYuu seine Filiale am Hohenzollernring innerhalb kürzester Zeit wieder dicht gemacht hat, versucht sich nun ein neuer Gastronom an der Ring-Location direkt neben dem Filmpalast. Das Bonner Familienunternehmen Tuscolo ist für seine extragroßen Pizzen bekannt. Pizza-Klassiker wie Salami, Funghi und Prosciutto gibt es für weniger als zehn Euro. Wer es auf raffinierteren Belag abgesehen hat, muss dafür zwischen 13 und 16 Euro auf den Tisch legen. Eröffnung war am 16. Oktober (noch nicht getestet).

Sülz: Futterhelden

Mal schnell nen Burger oder Currywurst-Pommes gegen den Heißhunger – nicht so einfach, wenn Vegetarier und Fleischfresser gemeinsam unterwegs sind. Die Futterhelden schließen diese Lücke. Der Imbiss in Sülz bietet nämlich Fastfood für beide Lager. Die vegane Wurst könnte etwas würziger sein, dafür ist die Currysauce herrlich fruchtig. Kostet im Menu mit Fritten und Getränk 8 Euro. Ebenfalls lecker: der Burger mit Bohnen-Erbsen-Patty, Tomaten-Relish, Sourcream und Minze (10 Euro als Menü). Sehen lassen kann sich zudem die Softdrink-Auswahl. Meine Empfehlung: die Basilikum-Ingwer-Limo von Balis. Alles in allem: Solides Essen, faire Preise & nettes Ambiente. Eröffnung war am 13. Oktober.

Belgisches Viertel: Lotus

Nachdem das Well Being seinen Standort gewechselt hat, ist in dem Ladenlokal an der Brabanterstraße ein neuer veganer Asiate eingezogen: das Lotus. Alkohol gibt es zwar auch hier nicht, dafür aber eine leckere Rosenwasser-Minz-Limonade. Auch beim Essen punktet der Laden: Die Sommerrollen sind lecker und riesig, das gelbe Curry glänzt mit einer fruchtigen Note und die Reisnudeln mit Veggie-Beef (Nummer 120) schmecken dank der vielen Kräuter herrlich frisch. Eröffnung war am 13. Oktober.

Kuromakupoke

Hallelujah, der Poké-Trend hat es endlich auch nach Köln geschafft! Das Gericht, das sich recht treffend als "Sushi in a Bowl" umschreiben lässt, gibt es nun an der Aachener Straße im Belgischen Viertel. So einige Foodies hatten der Eröffnung von Kuromakupoke entgegengefiebert und waren dann – völlig zu Recht – enttäuscht, als sie feststellen mussten, dass Poké hier in Pappschalen und mit Plastikbesteck serviert wird. Das schmälert nicht nur den Genuss, sondern wird auch dem Preis nicht gerecht. Schließlich kostet die große Classic Bowl stolze 12,50 Euro – und die verputzt man hier eher in Imbissambiente. Schade eigentlich, dass in Kölns erstem Poké-Laden so viel Potenzial ungenutzt bleibt. Immerhin: Auch wenn mit dem Fisch ruhig etwas großzügiger hantiert werden könnte, so ist doch zumindest der Klassiker geschmacklich gut. Wer mag, kann sich seine Bowl hier übrigens auch nach eigenem Wunsch zusammenstellen lassen. Eröffnung war am 12. Oktober.

Euch sind noch mehr Neueröffnungen aufgefallen oder ihr geht selbst mit einem Laden an den Start und möchtet, dass ich vorbeikomme und berichte? Dann meldet euch einfach bei mir - ich freu mich auf eure Tipps!

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